Mit einer Ausbildung in Teilzeit neue Perspektiven gewinnen

Seit 2015 bildet das Landratsamt Regensburg den Beruf Verwaltungsfachangestellte in Teilzeit aus. Die bisherigen und derzeitigen Auszubildenden: Ekaterine Ohrner-Natenadze (2.v.l.), Astrid Gnoth (3.v.l.), Lilli Betz (4.v.l.), Verena Hupfloher (2.v.r.) und Doreen Jahn (r.) mit Landrätin Tanja Schweiger und Franz Ebner, Personalchef des Landratsamtes Regensburg. (Foto: Astrid Gamez)
Seit 2015 bildet das Landratsamt Regensburg den Beruf Verwaltungsfachangestellte in Teilzeit aus. Die bisherigen und derzeitigen Auszubildenden: Ekaterine Ohrner-Natenadze (2.v.l.), Astrid Gnoth (3.v.l.), Lilli Betz (4.v.l.), Verena Hupfloher (2.v.r.) und Doreen Jahn (r.) mit Landrätin Tanja Schweiger und Franz Ebner, Personalchef des Landratsamtes Regensburg. (Foto: Astrid Gamez)

08.11.2019 Unter dem Motto: „Offen – bunt und nachhaltig“ präsentiert die 4. Regensburger Familienmesse am Freitag, 22. November, und Samstag, 23. November, im Donau-Einkaufszentrum vielfältige Träger und Einrichtungen der Familienbildung. Auch die Initiative „Teil`Zeit“ ist vertreten. Sie zeigt Wege auf, wie sich Weiterqualifizierung mit Beruf und Familie vereinbaren lässt – zum Beispiel mit einer Teilzeit-Ausbildung.

 „Das hat mir eine Chance gegeben, nochmal neu Fuß zu fassen im Berufsleben“, sagt Astrid Gnoth. Die 28-jährige arbeitet nach einer Teilzeit-Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte am Landratsamt Regensburg. Zuvor war die Mama eines heute neun Jahre alten Sohnes – trotz abgeschlossener Lehre im Einzelhandel und Fachabitur – oft auf Aushilfs- und Putzjobs angewiesen, da sich die Arbeitszeiten in ihrem erlernten Beruf schlecht mit der Kinderbetreuung vereinbaren ließen. „Diese Chance sollten viel mehr Unternehmen anbieten“, sagt die junge Frau, „das macht einen Betrieb schon sehr sympathisch, weil es anzeigt, ich werde hier auch als Privatmensch verstanden“. „Das Angebot nimmt so viel Stress raus, weil man sich auf beides konzentrieren kann, Ausbildung und Familie, und das kann man dem Betrieb auch zurückgeben.“    

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für Landrätin Tanja Schweiger, selbst Mutter von zwei Kindern, eine Herzensangelegenheit: „Wer Kinder großzieht oder Angehörige pflegt, hat unsere Solidarität verdient. Wir haben mit unserer Teilzeit-Ausbildung sehr gute Erfahrungen gemacht, denn die Mitarbeiterinnen bringen eine hohe Motivation, Verantwortungsgefühl und Lebenserfahrung mit.“ Der Landkreis Regensburg, selbst zertifiziert mit dem Audit „berufundfamilie“, hat den Anspruch, in Sachen frauen- und familienbewusste Personalpolitik Vorbild zu sein für andere Unternehmen und Organisationen in der Region. Auch das Netzwerk „Beruf + Familie. Geht gut bei uns!“ geht auf die Initiative von Landrätin Tanja Schweiger zurück.

Beim Landkreis Regensburg gibt es die Möglichkeit der Teilzeit-Ausbildung für Verwaltungsfachangestellte seit 2015. Pionierin an der Landkreisbehörde war Lilli Betz, die ihren ersten Beruf als Glas- und Keramikmalerin nicht mehr ausüben konnte. „Es war mein großer Wunsch, nochmal eine Ausbildung zu machen und so in mich und meine Zukunft zu investieren“, sagt die heute 37-jährige Mutter zweier kleiner Töchter. „Müttern und Wiedereinsteigerinnen kann ich das nur empfehlen.“ Ekaterine Ohrner-Natenadze (3. Ausbildungsjahr), Doreen Jahn (2. Ausbildungsjahr) und Verena Hupfloher (1. Ausbildungsjahr) sind ebenfalls dankbar für die Chance auf einen Arbeitsplatz, bei dem Teilzeit-Arbeit möglich ist und – im Gegensatz zu manch früherer Beschäftigung – fair bezahlt wird. „Ich habe mich bewusst für das Landratsamt Regensburg entschieden“, erklärt zweifach-Mama Verena Hupfloher, die sich – nach einer ersten abgeschlossenen Ausbildung, jahrelanger Berufserfahrung und Bachelor-Studienabschluss – nun  auf die neue Herausforderung im Öffentlichen Dienst freut. Sie alle schätzen an der Tätigkeit für das Landratsamt besonders die Gleitzeit, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehr erleichtere.

Die wöchentliche Ausbildungszeit ist flexibel und individuell vereinbar, beträgt aber je nach Ausbildungsberuf mindestens 20 bzw. 25 Stunden. Der Berufsschulunterricht und überbetriebliche Lehrgänge finden ganztags statt. Gerade die Vorbereitung auf Prüfungen fordert von den Teilzeit-Auszubildenden mit Familienpflichten viel Disziplin, Organisationstalent und auch Entgegenkommen der Betriebe. „All dies sind Herausforderungen, für die es aber doch Lösungen gibt“, erklärt Silvia Siegler, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Regensburg.

Die Ansprechpartnerinnen der Initiative „Teil`Zeit“ informieren, beraten und stehen Frauen und Männern, die an einer Ausbildung in Teilzeit interessiert sind, sowie Unternehmen und Betrieben für Fragen zur Verfügung. Nicht nur Auszubildende freuen sich über diese flexible Möglichkeit der Ausbildung. Gleichzeitig bietet sie Betrieben die Möglichkeit, motivierte Fachkräfte zu finden, die sich sehr bewusst für diesen Weg entscheiden. Lebenserfahrung und bereits gewonnene Berufserfahrung sind weitere Vorteile, die diese Menschen mitbringen.

Hintergrund: Um eine Ausbildung an persönliche Lebensumstände anzupassen und damit die Chance auf den Abschluss einer Berufsausbildung zu erhöhen, regelt das Berufsbildungsgesetz (BBiG) die Ausbildung in Teilzeit bereits seit 2005. War sie bisher vor allem Personen vorbehalten, die Verantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige tragen, eröffnet sie mit der Novellierung der Gesetzeslage für alle Menschen neue berufliche Perspektiven, vorausgesetzt Ausbildungsbetrieb und Auszubildende sind sich über die Verkürzung einig. Seit den Änderungen des Sozialgesetzbuchs (SGB II) zum 1. August 2016 können Auszubildende in bestimmten Situationen auch Arbeitslosengeld II erhalten, um Finanzierungslücken zu schließen und den Lebensunterhalt während der Ausbildung sicherzustellen.

Die Initiative „Teil`Zeit“ ist ein Zusammenschluss der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Regensburg, der Jobcenter der Stadt und des Landkreises Regensburg, des Büros für Chancengleichheit der Stadt sowie der Gleichstellungsstelle des Landkreises Regensburg. Mit dem gemeinsamen Ziel der Chancengleichheit informieren und beraten die Fachfrauen über die Ausbildung in Teilzeit, eine verkürzte Form der Ausbildung, die vor allem Frauen und Männern, die Kinder erziehen oder Angehörige pflegen, unterstützt. Aber auch für Menschen, die sich nebenberuflich weiterqualifizieren wollen oder neu in Deutschland sind und beruflich neu starten möchten, bietet die Ausbildung in Teilzeit Chancen. Vor diesem Hintergrund kooperiert die Initiative „Teil´Zeit“ auch mit dem Sachgebiet Wirtschaftsförderung, Energie und Klimaschutz des Landratsamtes Regensburg und dem  Amt für Wirtschaft und Wissenschaft der Stadt Regensburg.

Kontakt: Silvia Siegler, Telefon 0941 4009-790, Email silvia.siegler@lra-regensburg.de.

Kategorien: Landkreis

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